Startseite Chronik Unser Vorstand Formulare Bildergalerie Kontakt Auftritte ImpressumIntern

Geschichten aus der Geschichte


Als 1911 ein paar junge MäChronik Bilder [image0.jpg]nner die Idee entwickelten, gemeinsam Musik in einem Tambourcorps zu machen, stand deren Verwirklichung zunächst einmal das Problem im Wege, dass man diese Art von Musik nur in den umliegenden Städten betreiben konnte. Also sahen sich Heinrich Bauer, Wilhelm Dieken, Jean Holländer, Josef Müschen und Karl Thomas gezwungen, einen anderen Weg zu beschreiten: Sie machten sich Gedanken über die Gründung eines eigenen Vereins. Man marschierte zunächst einmal probeweise an der Spitze des „Kameradschaftlichen Kriegervereins“ bei der Kaiser-Geburtstagsfeier – ja, den gab’s da noch- und des Kriegerverbandsfestes in Süggerath mit. Da das schon mal ganz gut ankam, fanden sich bald weitere fünf Interessierte: Andreas Kremer, Albert Küppenbender, Matthias Klein, Franz Mülfarth und Hubert Zitzen. Offensichtlich befand man diese Mannzahl als ausreichend, um einen Verein zu gründen. Dies geschah 1912.Chronik Bilder [image1.jpg]

Von Anfang an zeigte sich der Verein sehr rührig und veranstaltete schon 1913 mit Hilfe der anderen Ortsvereine einen Fassnachtszug durch Brachelen. Vom Reingewinn der Fassnachtsveranstaltung (Der Begriff „Karneval“ wurde erst viel später gebräuchlich!) wurden die ersten Uniformen angeschafft, die man für standesgemäße auswärtige Auftritte unbedingt benötigte. Schon bald stellten sich erste Erfolge ein, die die Männer aus dem langen Dorf an der Rur zu gefürchteten Konkurrenten der Stadtvereine machten. Auch die Mitgliederzahl stieg „rasant“.

 

 

 


Noch 1913 traten Josef Deffur, Josef Jansweidt, PChronik Bilder [image2.jpg]eter Zitzen und Paul Schmitz dem Verein bei. Leider wurden alle Aktivitäten des Vereins durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges gestoppt. Aber bereits 1919 wurde das Vereinsleben wieder in Gang gesetzt. Kaspar Erdweg, Gerhard Zitzen, Hubert Mertens und Johann Krieger kamen dazu. 1928 hatte der Verein bereits 24 aktive Mitglieder, die wie man auf diesem Vertrag von 1928 feststellen kann, „richtig“ Geld verdienten.


Diesmal blieben dem Vereinsleben, das sich prächtig und sehr erfolgreich entwickelte, immerhin 20 Jahre, bis 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, der dem Verein noch wesentlich mehr zusetzte, als es der erste schon getan hatte. 10 aktive Mitglieder mussten ihr Leben lassen. Darüber hinaus hatte der Verein sein gesamtes Vereinsvermögen, Uniformen, Instrumente und Noten verloren. Die Führung des Vereins übernahm Schmitze Jupp, der zusammen mit Mölfarths Fränz, Erdwechs Käsper und Mertense Hubett auch die Ausbildung der Neumitglieder übernahm. Die Kasse übernahm schon damals ein junger Mann namens Kaspar (Kääp) Sieberichs, der 1938 dem Verein beigetreten war. Wer sich die gesamte Chronik zu Gemüte führt, kann schon ein paar Stunden Spaß mit den Anekdoten der damals selten spaßigen Zeit verbringen.

 

  •  Jubiläen, die wegen Geldmangels um ein Jahr verschoben wurden
  •  neue Uniformen, für die man sich das Geld teilweise beim Kirchenchor geliehen hatte und erst mit dem Erlös aus einer Verlosung beim Familienabend zurückzahlen konnte
  • ein Malermeister, der die Trommelreifen gestrichen hatte und erst aus dem Erlös aus der Verlosung anlässlich des Maiballs bezahlt werden konnte
  • die Finanzierung einer neuen Uniform durch eine Haussammlung bei der bekannt vereinsfreundlichen Bevölkerung Brachelens


Eine „wilde“, aber auch eine gute Zeit, die endenden 40er und die beginnenden 50er, aber wie so häufig eine Zeit der stetigen Wechsel. Der Ehrenvorsitz des Vereins, damals ein sehr einflussreiches Amt, wechselte vom verstorbenen Jean Holländer auf Josef Kreutzer. Der langjährige Vorsitzende

Chronik Bilder [image3.jpg]Josef Rick trat eine Küsterstelle in Rheydt an und gab sein Amt ab an Franz Mülfarth, der darüber hinaus auch Corpsführer war.
Eine kurzfristige, finanzielle Erholung sorgte 1956 für den ersten Vereinsausflug an Mosel und Ahr. Beim 45jährigen Bestehen 1957 waren noch 6 Gründungsmitglieder aktiv dabei.

Anfang der 60er übernahm ein Mann die Stabführung von Franz Mülfarth, der in den folgenden Jahrzehnten zum Aushängeschild unseres Vereins und weit über die Grenzen Brachelens hinaus bekannt wurde: Kruetzere Willke. Er war ein Vorbild an Pflichtbewusstsein, das, gepaart mit seiner einnehmenden Menschlichkeit, viele Menschen nah und fern noch heute an ihn erinnert.

Die Zeiten waren trotz der herausragenden Persönlichkeiten dieser Zeit, stellvertretend seien hier noch Rahmes Jupp, Sieberichs Kääp und Kruetzere Hubet genannt, nicht immer einfach. Ich erinnere mich an eins meiner ersten Jahre beim Schützenfest in Linnich. Wir hatten uns tatsächlich Mitstreiter aus Dremmen „geliehen“, um qualitativ und quantitativ spielfähig zu sein. Zu vielen von ihnen verbindet uns noch heute ein freundschaftliches Verhältnis.Chronik Bilder [image5.jpg]

Manchmal aber geschehen aus heiterem Himmel Dinge, die man nur als Glücksfall bezeichnen kann. Die Söhne von Kruetzere Willke mussten ja nun auch irgendwann im spielfähigen Alter sein und offensichtlich hatten die jede Menge gute Freunde, denn Anfang der 70er sah unser Verein plötzlich so aus
und hatte allen Grund, 1972 ordentlich auf sein 60jähriges Bestehen anzustoßen. Nun, Sie werden feststellen, weder aus der hinteren noch aus der vorderen Reihe sind noch alle bei uns. Aber einige sind dabei geblieben, wenn sie auch jetzt etwas anders aussehen. So ist der Kleine vorne in der Mitte seitdem extrem gewachsen… aber hauptsächlich nach vorne und zu den Seiten!


1975 gab es einen entscheidenden Einschnitt, weil wir nämlich auf das herkömmliche Notensystem „umtrainiert“ wurden. Nicht alle haben diesen Wechsel letztendlich vollzogen, aber die meisten haben verstanden, dass „hohes C“ nicht ausschließlich ein Getränk ist. 1977 stiegen wir auch noch ins „Entsorgungsgeschäft“ ein, in dem wir alle 2 Monate Brachelens Altpapier einsammelten. Wir müssen aber zu unserer Schande gestehen, dass wir das weniger aus Umweltschutzgründen als aus Kassenaufbesserungsgründen. Ach ja, Lumpen haben wir auch 15 Jahre gesammelt, wobei wir nicht wissen, ob wir damit die Anzahl der Brachelener Lumpen erheblich reduziert haben. Jedenfalls versetzte uns diese Zusatzeinnahme in die komfortable Lage, in fast jedem Jahr einen Ausflug in die nähere oder weitere Umgebung unserer Heimat zu machen. Diese Ausflüge waren an Unterhaltungswert selten zu überbieten.


Im Jahr 1996 hatte ich wieder einmal ein einschneidendes Erlebnis: „ Mein“ Vorsitzender Hubert Kreutzer(Ich hatte nie einen anderen gehabt!) ließ sich nicht mehr erweichen und gab dieses Amt in die Hände seines Neffen Reinhold, der unseren Verein seit diesem Jahr umsichtig führt, nie aber versucht hat, in die Fußstapfen seines Onkels zu treten. Zwei Personen und

Persönlichkeiten, die unseren Verein prägten und prägen. Ich werde nicht besonders darunter leiden, nie einen Vorsitzenden gehabt zu haben, der nicht Kreutzer hieß.
Nachdem wir schon seit 1913 das Schützenfest(Bronk) in Linnich verschönerten, dessen Vorzüge wir noch in jedem Jahr genießen, kam im Jahr 1982 das Schützenfest in Korschenbroich(Unges Pengste) hinzu. Hier wurden neue Freundschaften geknüpft, von denen viele noch heute Bestand haben. Hier kommen wir genauso gern hin wie zu den tollen Festen in Venn(seit 1999) und Glehn(seit 2002), die seit vielen Jahren zu unserem festen Programm gehören. In den 80er und 90er Jahren entwickelte sich aus unseren heimischen und auswärtigen Verpflichtungen ein Jahresprogramm, das uns die langfristigen Planungen immer leichter macht.

 

  •  Pfingsten – klarer Fall, immer Korschenbroich,
  • eine Woche vorher – immer Brachelen,
  • eine Woche nachher- immer Linnich,
  • erstes Juli-Wochenende Venn,
  • erstes September-Wochenende Glehn
  • letzter Januar-Sonntag (meistens) St. Sebastianus

Entscheidend sind für uns aber nach wie vor- wie schon vor 100 Jahren- unsere Aktivitäten in Brachelen. Hier fühlen wir uns besonders wohl, weil man sich hier besonders geschätzt fühlt. Brachelener wissen, was sie an uns haben; wie wissen, was wir an den Brachelenern haben. Und sogar unsere ersten „eingwanderten“ Mitglieder aus Hilfarth fühlen sich in Brachelen und mit den Brachelenern sehr wohl, wenn wir beim Pfarrfest, bei der Kirmes oder wieder mal bei unseren Freunden von der Feuerwehr antreten.


Vielleicht ist es ja diese Verlässlichkeit im Jahresablauf –Heiligabend ist schließlich auch immer am 24. Dezember-, die unseren Haufen in den letzten Jahrzehnten so gut zusammen gehalten hat. Die Fluktuation im Mitgliederbereich(auf gut deutsch: der eine kommt, der andere geht!) ist bei uns relativ gering und ging in den letzten Jahren hauptsächlich in die angenehme Richtung, so dass wir zurzeit immer um die 35 aktive Mitglieder haben. Wir haben hauptsächlich Spaß miteinander, ansonsten wäre es ja auch kaum zu verstehen, dass wir einige Frühlings- und Sommerwochenenden gemeinsam verbringen. Denn Geld bekommt bei uns keiner dafür, allenfalls das eine oder andere Kaltgetränk. Wir konnten uns sogar bis heute den Luxus leisten, „frauenfreie“ Zone zu bleiben, was aber weniger mit Frauenfeindlichkeit als mit Männerfreundlichkeit zu tun hat. Es geht uns gut! Wie lange noch? Wer soll das schon wissen! Unser Verein fühlte sich schon immer abhängig davon, wie groß der Zuspruch seitens der Brachelener Bevölkerung war. Im Moment sind wir mit Ihnen und Euch mindestens genauso zufrieden wie Sie und Ihr mit uns. Personen und Persönlichkeiten, die in der Lage sind, die Geschicke unseres Vereins zu lenken, haben wir reichlich.


Also machen wir doch alle weiter so? Nicht so! Immer irgendwie anders, aber weiter. Und ich? Ja, ich bleib halt noch ein paar Jahre bei dem Haufen… so wie es 1966 schon gedacht war.

 

Terminübersicht